Fashion Fotografie dreht sich nicht nur um Kleidung. Es geht um Atmosphäre, Storytelling und Bilder, die im Kopf bleiben. Genau das war diese Kampagne. Ein Projekt, bei dem Street Style, High Fashion und rohe industrielle Architektur auf eine Weise zusammenkamen, die ehrlich, kraftvoll und unerwartet wirkte.
Die Location war eine seit Jahren verlassene Gießerei. Dunkel, staubig, voller Texturen und Geschichte. Kein einfacher Ort zum Arbeiten, aber ein Ort, der sich sofort richtig angefühlt hat. Schon im ersten Moment war klar, dass dies kein klassisches Fashion Shooting werden würde. Es ging um Kontraste. Klare Silhouetten vor rauem Beton. Modernes Styling in einem Raum, der von Zeit geprägt ist.

Die Idee für diese Location entstand durch einen befreundeten Fotografen, der den Ort zuvor erkundet und mir Bilder davon gezeigt hatte. Obwohl dort noch kein Shooting stattgefunden hatte, wusste ich sofort, dass dies der richtige Ort für die Kampagne war. Die Herausforderung lag nicht im kreativen Konzept, sondern in der Realität. Teile des Gebäudes galten als einsturzgefährdet und der Zugang war stark eingeschränkt.
Aufgeben war keine Option. Gemeinsam mit der Stadt, einem Architekten und Sicherheitsexperten haben wir die Struktur sorgfältig geprüft, kritische Bereiche abgesichert und das Shooting möglich gemacht. Es brauchte Zeit, Koordination und Durchhaltevermögen. Doch genau dieser Aufwand wurde Teil der Geschichte. Eine Erinnerung daran, dass starke Bilder oft das Ergebnis von Engagement sind, lange bevor die Kamera überhaupt eingeschaltet wird.
Ich habe es schon immer geliebt, mit Gegensätzen zu arbeiten. High Fashion in rohen, unverfälschten Umgebungen erzeugt Spannung. Sie hält den Blick länger fest, weil sie Erwartungen bricht. Man sieht es nicht jeden Tag und genau deshalb funktioniert es.
Für diese Kampagne war dieser Kontrast bewusst gewählt. Street-Style-Ästhetik traf auf präzise gearbeitete Fashion Pieces. Das Ziel war nicht, die Kleidung zu überlagern, sondern sie durch den Kontext aufzuwerten. Die verlassene Gießerei wurde zur Bühne, nicht zur Ablenkung.


Styling und Location müssen zusammenspielen. Wenn ein Element nicht passt, verliert das gesamte Bild seine Wirkung. In diesem Projekt wurden Styling, Models und Umgebung sorgfältig aufeinander abgestimmt. Zwei der Models hatten bereits zuvor mit mir gearbeitet, was sofort Vertrauen und einen natürlichen Flow am Set geschaffen hat. Die weiteren Models wurden schnell über ein Casting ausgewählt und haben genau die Energie mitgebracht, die diese Kampagne gebraucht hat.
Nichts wirkte erzwungen. Alles fühlte sich natürlich an. Und genau dann entstehen starke Bilder.
Eine der größten Herausforderungen war die Sicherheit. Es war essenziell, dass sich Models und Team frei und ohne Risiko bewegen konnten. Eine weitere Herausforderung war die Location selbst. Staub, Schmutz und fragile Oberflächen erforderten permanente Aufmerksamkeit, um sowohl Menschen als auch Kleidung zu schützen.
Genau hier zeigt sich der Wert eines starken Teams. Jedes Detail wurde mit Sorgfalt behandelt. Vom Schutz der Kleidungsstücke bis zum präzisen Timing der Aufnahmen, damit alles zusammenkam, bevor Abnutzung sichtbar wurde. Ein großes Dankeschön an alle Beteiligten.


Von der ersten Anfrage bis zum ersten Auslösen vergingen rund vier Wochen Planungszeit. Die Location war dabei der zeitintensivste Teil. Die Models wurden schnell gefunden. Das Konzept stand früh fest.
Ich lasse immer Raum für kreative Freiheit, wenn das Projekt es zulässt. Nicht jedes Shooting braucht strikte Zeitpläne und starre Strukturen. In diesem Fall waren spontane Momente ausdrücklich gewünscht. Bewegung, Unschärfe, Doppelbelichtungen und kleine Unperfektheiten wurden Teil der visuellen Sprache.
Die Dunkelheit der Location ermöglichte präzises Arbeiten mit Blitz und Licht. So konnten künstlerische Effekte entstehen, während die Mode klar, präsent und kraftvoll blieb.
Die finalen Bilder sind mehr als reine Kampagnenvisuals. Sie erzählen eine Geschichte. Jedes Bild steht für sich und ist gleichzeitig Teil einer zusammenhängenden Erzählung. Das Zusammenspiel aus Mode, Kunst und Umgebung schafft eine visuelle Welt, die authentisch, modern und einprägsam wirkt.
Das ist es, was entsteht, wenn man sich Zeit nimmt. Wenn man dem Prozess vertraut. Wenn man Raum für Kreativität lässt, statt Ergebnisse zu erzwingen.

Starke Modefotografie hat nichts mit Geschwindigkeit zu tun. Sie hat mit Haltung zu tun. Mit der bewussten Wahl der richtigen Location. Mit dem Respekt vor der Geschichte, die ein Ort erzählt, und damit, diese Geschichte die Mode unterstützen zu lassen, statt sie zu überlagern.
Diese Kampagne erinnert daran, dass die kraftvollsten Bilder manchmal an Orten entstehen, die vergessen wurden. Und daran, dass Ausdauer, Geduld und der Glaube an eine Vision sich immer auszahlen.
Jedes Projekt beginnt mit einem Gespräch. Wenn dich diese Geschichte angesprochen hat und du eine Idee im Kopf hast, melde dich gern. Ich nehme mir Zeit.